Sonntag, 20. Mai 2012

Konsequenzen, die es hat, wenn man die "Wünsche" der Verwaltung nicht erfüllt...

Auch wenn Herr Jäger in der Stuttgarter Zeitung behauptet, dass es nur mich als einzige Einwendung gibt, so ist die Realität doch eine ganz andere. Ich habe einige Gespräche zum Hochwasserschutz in Oppenweiler geführt. Kritik an der aktuellen Planung gibt es hinter vorgehaltener Hand nicht nur von mir!  Man traut sich leider damit nicht in die Öffentlichkeit. Man könnte ja Nachteile daraus haben, wenn man die extrem mächtige Verwaltung kritisiert.

Diese Leute haben Recht! Auch das kann ich nachfolgend aufzeigen. Ich habe keine Alternative, als mich gegen die Verwaltung zur Wehr zu setzen, mich zwingt man ja dazu, wenn ich mein Leben am Wasser nicht verlieren will.

Hier ein kleines Beispiel, wie die "Strafe" der Verwaltung aussieht, wenn man als Bürger den "Verwaltungswünschen" nicht nachgibt.

Am 18.08.2010 habe ich bei Herrn Mäule im Rathaus von Oppenweiler eine Bauvoranfrage für eine neue Halle auf meinem Gelände gestellt. Ich würde gerne meine Firma erweitern. Für den Neubau würde ich eine vorhandene Trafostation und eine alte Garage abreißen. Die neue Halle wäre etwas größer als die alte und eben moderner, d. h. als Werkstatt nutzbar und beheizbar.

Am 24.08.2010 bekam ich von der Stadt Backnang ein Schreiben. "Ihr Bauantrag ist am 24.08.2010 vollständig hier eingegangen".

Nachdem ich über Monate nichts mehr von meiner Bauvoranfrage gehört hatte, teilte mir Herr Jäger mit Mail vom 01.02.2011 folgendes mit: 

"[...] wir haben nun den Sachstand beim Baurechtsamt der Stadt Backnang erfragt. Nach dortiger Auskunft fehlt nach wie vor die Stellungnahme des Landratsamts. Man hat nun aber bei diesem angerufen und nochmals auf deren Erledigung gedrängt. Es wurde seitens des LRA zugesagt, die Stellungnahme in den nächsten 3-4- Wochen fertig zu stellen [...]

Zufälliger Weise habe ich nun kurz nach Veröffentlichung (20.05.12) dieses Blogs vom Baurechtsamt der Stadt Backnang ein Schreiben (Eingang 26.05.12) zu dieser Bausache erhalten.  Diesem Schreiben lag die Stellungnahme des Landratsamtes bei. Eingangsstempel bei der Stadt Backnang: 21. Okt. 2010 (!!). Da frage ich mich nun, wem man hier als Bürger noch ein Wort glauben kann, wenn nach der obigen Mail von Herrn Jäger im Februar beim LRA "auf deren Erledigung gedrängt" wurde. Zum Zeitpunkt seiner Mail und dem Anruf beim LRA lag die Stellungnahme des LRA aber schon über 3 Monate bei der Stadt Backnang vor. Laut Stadt Backnang liegt die Stellungnahme des Wasserverbandes erst jetzt vor. Hm, wer ist hier nochmal der Vorsitzende??

Sie erinnern sich, eine Verlängerung meiner wasserrechtlichen Erlaubnis habe ich auch nie bekommen; ja, die Familie Küenzlen hat noch nie alles geschluckt, was die Verwaltung wollte. Vielleicht auch jetzt der Grund für die geplante Enteignung? Endlich einen Bürger loszuwerden, der nicht einfach kuscht, sondern eine Meinung hat und diese auch in aller Öffentlichkeit vertritt? Zumindest wäre es für die Verwaltung doch eine schöne Sache, endlich das Wasserrecht loszuwerden und damit nahezu keinen Kontaktpunkte mehr mit mir zu haben, denken Sie doch einmal darüber nach....

Übrigens: eine Entscheidung zu meiner Bauvoranfrage habe ich bis heute (!) nicht erhalten. Mein Nachbar hingegen hat nach mir angefragt (zumindest nach meinen Recherchen), er hat jedenfalls bereits seine alte Halle abgerissen und eine neue, etwas größere gebaut und schon bezogen. Ja, es sind alle Menschen gleich im Murrtal und die Verwaltung arbeitet immer fair und korrekt...

Selbst mein Leserbrief vom 03.12.2011 (siehe unten) in der Backnanger Zeitung hat nichts daran geändert, man sitzt mich einfach aus - wie mit meinem Antrag für die Erlaubnis aus dem Jahre 1994.


Eingriffe in geschützte Biotope sind aber verboten

Es ist doch erschreckend, mit welcher Leichtfertigkeit unser Bürgermeister einen Unternehmer in die Illegalität drängt und in der Presse von einem unerlaubten Vorgehen spricht. Tatsache in Sachen Höherstau an der Rüflensmühle ist, dass dieser 1965 mit einer Erlaubnis für 30 Jahre genehmigt wurde. Vor Ablauf dieser 30 Jahre wurde frühzeitig eine Verlängerung beim zuständigen Landratsamt von mir beantragt. Für diese Verlängerung wurden vom LA umfangreiche Auflagen gefordert. Gegen diese Auflagen habe ich immer wieder Widerspruch eingelegt. Diese Diskussion zog sich bis ins Jahr 2000. Danach war viele Jahre Sendepause von Seiten des LA. Natürlich hätte ich wegen Untätigkeit der Behörde in Bezug auf meinen Antrag klagen können, um meine förmliche Erlaubnis zu bekommen, das war mir aber mit zu hohen Kosten verbunden. Also wartete ich geduldig ab, was vom LA und der Hochwasserschutzplanung kommt. Nachdem im Jahre 2010 absehbar war, wie es weitergehen sollte, habe ich sofort mit den Herren Dr. Strobel und Jäger ein Gespräch über meine Ausbauwünsche gesucht und im April dieses Jahres den entsprechenden Antrag beim LRA gestellt. Für mich ist dies alles andere als eine unerlaubte Arbeitsweise von meiner Seite!
Die Frage ist: Muss ein Bürger bei jedem kleinen Kontakt mit der Verwaltung Klage auf Untätigkeit einreichen, nur weil die Verwaltung keine Entscheidungen fällen will? Tja, lieber Herr Jäger, ich habe vor fast 16 Monaten (!!!) einen einfachen Antrag auf einen BauVORbescheid für eine neue Halle anstatt einer auf meinem Gelände bereits vorhandenen Halle bei Ihnen gestellt. Bis heute gibt es dazu keine Entscheidung. Also schon wieder klagen oder geduldig warten, weil ich es nicht so eilig habe?
Und noch etwas. In meinem Staugebiet gibt es zwei sehr große Biotope „Uferschilfröhricht Wehrwiesen und Gehölze an der Murr“, die nach §32 NatSchG geschützt sind. Ein Eingriff in diese Biotope ist gesetzlich verboten. Wenn ich nun also 40 cm Stauhöhe entferne und damit den Wasserspiegel im Bereich der Biotope deutlich reduziere, ist dies doch ein Eingriff in streng geschützte Biotope? Lieber Herr Jäger, Eingriffe in solche Biotope sind aber VERBOTEN. Ach, da fällt mir ein, Sie wollen ja mein ganzes Staugebiet komplett ablassen für Ihr Rückhaltebecken...?

Dr. Jürgen Küenzlen, Rüflensmühle

Samstag, 19. Mai 2012

Enteignung der Rüflensmühle für die Obere Walke in Backnang

Ja, Sie lesen ganz richtig. Mit der größte Gewinner der Enteignung der Rüflensmühle ist die Stadt Backnang für die aktuelle Bebauung der Oberen Walke! Das Beckenvolumen musste ja unbedingt vergrößert werden von rund 650.000 auf 850.000 m³. Aber warum ist das so? Das werden Ihnen die nächsten Zeilen aufzeigen....

BKZ vom 08.05.2012:

Auch sei die Obere Walke kein Überschwemmungsgebiet, eine Bebauung deshalb „vollkommen rechtskonform“, sagte Setzer.

Es ist schon toll, welche Möglichkeiten man in einer Bürokratie als Stadtverwaltung hat. Wenn das Papier sagt, es ist kein Überschwemmungsgebiet, dann ist es auch kein Überschwemmungsgebiet!! Doof nur, dass das Murrwasser scheinbar keine juristische Vorbildung hatte und wohl auch die Gesetzestexte vor dem Hochwasser 2011 nicht gelesen hat  ;-) . Ich würde dringend eine umfangreiche Weiterbildungsmaßnahme für das Hochwasser empfehlen, nur so kann erreicht werden, dass das Wasser sich an die bürokratischen Vorgaben auch hält und in Zukunft dann diese vielen schönen, neu bebauten Gebiete bei einem Hochwasser über dem theoretischen Bemessungshochwasser HQ 100 nicht wieder überflutet. Denn das HQ 100 ist halt nur pure Theorie und Wahrscheinlichkeit, damit die Planer überhaupt etwas auf dem Papier ausrechnen können.

Warten wir einfach den Zeitungsbeitrag ab, wenn einmal ein höheres Hochwasser über die Dämme und Deiche läuft, das ist nur eine Frage der Zeit. Deshalb plant man in anderen Städten ja auch anders in Sachen Hochwasserschutz, dort hat man verstanden, dass es einen echten Hochwasserschutz gar nicht geben kann. Man kann nur durch geschickte Planung und Bebauung das Risiko auf hohe Schäden reduzieren. Dazu braucht das Wasser aber Raum, sehr viel Raum für Überflutungen.


Langsam sieht man, wie hoch das gesamte Gelände aufgefüllt werden soll. Gerüchte sagen, dass zehntausende Tonnen Schutt zusätzlich in Backnang angefahren werden, um dieses große Gelände so hoch auffüllen zu können.

Langsam sieht man wie, hoch das gesamte Gelände aufgefüllt werden soll. Gerüchte sagen, dass zehntausende Tonnen Schutt zusätzlich in Backnang angefahren werden, um dieses große Gelände so hoch auffüllen zu können.

Die Gründe für den Ausgleich der Walke im Rückhaltebecken von Oppenweiler und damit auch voll  auf meine Kosten lesen sich wie folgt (man hatte wohl doch ein bisschen ein schlechtes "Gewissen", wenn man so viel "kein Überschwemmungsgebiet" so hoch auffüllt, die schicke Idee für eine Lösung siehe nachfolgende Zeilen ;-) ):


Brief vom Ersten Backnanger Bürgermeister Michael Balzer vom 10.08.2011 an Prof. Andreas Brunold (wer Interesse an diesem wirklich interessanten Schreiben hat, kann sich gerne an Prof. Brunold oder mich wenden):

"[...] Allgemein kann gesagt werden, dass der sich durch die Höherlegung des Geländes für die künftige Bebauung (Anmerkung: obere Walke) ergebende Verlust an Retentionsflächen im Rahmen der Gesamtkonzeption des Hochwasserschutzes (Planfall 4) nachweislich berücksichtigt wurde. Konkret ausgedrückt heisst das, dass bei der Dimensionierung der Regenrückhaltebecken entlang der Murr entsprechende zusätzliche Speicherkapazitäten eingeplant wurden. [...]"


Bericht in der Backnanger Zeitung vom 06.03.2012 zur Baustelle Obere Walke:

"[...] Der Großteil des zu Bergen aufgetürmten Schutts wird für den Unterbau der neuen Walke-Parkplätze benutzt, weil das Gelände des gesamten Areals um durchschnittlich einen Meter erhöht wird - aus Gründen des Hochwasserschutzes [...]"


Daraufhin die Reaktion des örtlichen BUND am 08.03.2012 in der Backnanger Zeitung:

"[...] Was den Hochwasserschutz angehe, habe Erster Bürgermeister Michael Balzer auf Anfrage eines Bürgers schriftlich erklärt, dass durch die Höherlegung des Walke-Areals ein Verlust an Retentionsfläche entstehe [...] "Konkret heißt das, dass bei der Dimensionierung der Regenrückhaltebecken entlang der Murr entsprechende Speicherkapazitäten eingeplant werden" wird Balzer zitiert [...]

Balzers Reaktion, ebenfalls in der Backnanger Zeitung, dort heißt es am 10.03.2012:

"[...] Wobei Balzer die Planvorstellung auch dazu nutzte, diverse Einlassungen des BUND-Vorsitzenden Schielinsky zu korrigieren. So etwa die Behauptung, dass wegen des Verlustes der Überschwemmungsfläche in der Oberen Walke die Ausgleichsmaßnahmen den Oberliegern aufgebürdet würden (BKZ vom 8. März). Diese Diktion sei falsch, sagte der Erste Bürgermeister [...]"


Der Erste Backnanger Bürgermeister scheint an sich etwas vergesslich zu sein im Hinblick auf seine Schrifstücke. Bei einem persönlichen Kennenlernen vor einigen Wochen habe ich ihn gefragt, warum er nicht eine einzige E-Mail von mir an ihn zum Thema Hochwasserschutz jemals beantwortet habe. Seine Antwort dazu war, dass er der Meinung wäre, dass er dies getan habe. Daraufhin habe ich dann erwidert, dass vielleicht die Mail nicht ankam und er mir gerne eine Kopie sende dürfe. Bisher kam bei mir noch immer nichts an.

Nach dem Termin habe ich ihm einen persönlichen Brief geschrieben und ein Gespräch zwischen ihm und mir zum Hochwasserschutz angeboten, um eine Einigung zwischen mir und dem Verband herbeizuführen und eine Lösung für die Stadt Backnang zu finden. Diskussionen mit Herrn Jäger waren in der Vergangenheit bekanntermaßen allesamt sinnlos, seine Argumente können Sie ja in diesem Blog umfangreich nachlesen, konstruktiv sind seine Argumente jedenfalls nicht. Auch diesen Brief hat Herr Balzer bisher nicht beantwortet. Naja, Herr Bruss von der Stadt Backang hat mir auch nicht eine E-Mail zum Hochwasserschutz jemals beantwortet. Man hat wohl einfach kein Interesse an einer konstuktiven Diskussion mit einem normalen Bürger....

Das ist also alles – wie immer – aktiver Hochwasserschutz auf Backnanger Niveau. Alles auffüllen und höher legen in der Hoffnung, dass es kein größeres Hochwasser als ein HQ 100 geben wird und wenn doch, kann man ja über die großen Hochwasserschäden auf dem Walke-Areal wieder jammern. 

Bei einer Sitzung mit der Stadt Backnang zusammen mit Herrn Balzer haben wir die Frage gestellt, warum   entgegen der Planung von Häusler (BKZ 10.05.2008) nicht die Bebauung an der Straße bleibt und dafür die Parkplätze als Retentionsvolumen tiefer gelegt werden. Die Aussagen werden Sie nicht glauben. Die Stadtverwaltung von Backnang wollte, dass die Bebauung Richtung Murr rückt, um mehr Platz für die Straße und die Stadtentwicklung zu haben und um eine hübsche rückseitige Fassade bei den Gewerbegebäuden zu bekommen. Ja, die Stadt Backnang tut was für ihre Investoren, egal, ob ein einzelner Bürger auch dafür im Weg ist!

Könnte man ja alles machen, aber man ist ja derartig geldgierig in Backnang, dass man nicht einmal bereit ist, für das höhere Beckenvolumen und damit für den Erhalt der Rüflensmühle die zusätzlichen Kosten für die Variante 3K auf sich zu nehmen. Warum auch, man kann ja versuchen, einen Unternehmer billig zu enteignen und einfach ignorieren. 

Liebe Backnanger, eure Verwaltung hat das gleiche Niveau wie die von Oppenweiler. Man interessiert sich nur für große Unternehmen und Investoren. Einzelne kleine Unternehmer und Bürger werden ignoriert. Hoffen Sie nur, dass Sie nie in meine Lage kommen, dann werden Sie nämlich endlich verstehen, was es bedeute, einen intensiven Kontakt zur Verwaltung zu haben. Dann werden Sie sich wünschen, dass Sie aktiv an einer Veränderung des Verwaltungssystems in eine wieder deutlich bürgerfreundlichere Richtung mitgearbeitet hätten!


Dieses Schild steht direkt in Backnang hinter dem Lidl an der Murr, kurz vor dem Baugebiet  Obere Walke. Auf dem Schild steht: "Flußbegradigungen lassen keinen Raum für Überschwemmungen. Sie reichen somit das Hochwasser an die unteren Anlieger weiter. Deshalb weist man heute Retentionsflächen aus, wie etwa in der Weißachaue". Schon toll, was die Stadtverwaltung auf ihren eigenen Schildern kund tut und was sie dann in der Realität macht, oder?





Dienstag, 15. Mai 2012

Sulzbach an der Murr und der Hochwasserschutz aus dem letzten Jahrhundert

Wie sagte Herr Zwink vom Büro Frank sinngemäß in der Gemeinderatssitzung von Oppenweiler, bei der es um den Entschluss für meine Enteignung ging: wenn man das Staugebiet der Rüflensmühle dauerhaft ablässt, hat man ein größeres Rückhaltevolumen für den Hochwasserschutz.

Parkplatz Firma Erkert am Ortsausgang von Sulzbach an der Murr

Parkplatz Firma Erkert am Ortsausgang von Sulzbach an der  Murr

Parkplatz Firma Erkert am Ortsausgang von Sulzbach an der Murr

Wenn Sie sich diese Bilder anschauen, die ich in Sulzbach an der Murr aufgenommen habe, dann dürfte mein Staugebiet das Rückhaltevolumen für einen oder zwei geschützte Parkplätze ausgleichen. Wenn man es mit moderner Technik geschickt macht, kann ich meine Wasserkraft betreiben und man kann bei Hochwasser trotzdem das Stauvolumen alle paar Jahre bei einem Hochwasser als Beckenvolumen nutzen (so geplant in Variante 3K). Diesen Sulzbacher Parkplatz kann niemand mehr nutzen für den Hochwasserschutz! Das ist vollkommen unnötig verloren gegangener Rückhalteraum, weil ein Unternehmen keine Lust hat, alle paar Jahre einmal einen Parkplatz nicht nutzen zu können.

Wie schon der Post über Wertheim zeigt, gibt es Städte, die Hochwasserschutz aktiv und sinnvoll betreiben. Im mittelalterlichen Sulzbach an der Murr oder auch in Oppenweiler und Backnang baut man lieber bis zu 2 Meter hohe Mauern, um Parkplätze und Ackerland anstatt Rückhalteraum für das Wasser zu schaffen und zu erhalten. Man kann ja die ganzen Becken auf Kosten des Steuerzahlers bauen und auf meine Kosten vergrößern. Man will für zusätzliches Rückhaltevolumen eines der ältesten Wasserrechte im ganzen Landkreis enteignen. Wie schon einmal gesagt: trockene Parkplätze bei Hochwasser sind offenbar für manche ein noch höheres Gut als ein Grundrecht auf Eigentum in unserer Verfassung!

Da muss man sich doch wirklich fragen, wo diese ganzen Gemeinderäte und Bürgermeister ihr Gewissen gelassen haben, dass fast alle so einstimmig für meine Enteignung für ein größeres Rückhaltebecken gestimmt haben?!

Vorstellung einer naturnahen Flussböschung nach europäischer Wasserrahmenrichtlinie?

Und auf der gegenüberliegenden Flussseite hat man die "Wasserrahmenrichtlinie erfüllt" und den Fluss ganz aktuell  in einen "natürlichen Zustand" versetzt. Hmmm... stimmt, solche Quader gibt es in der Natur gar nicht. Aber im Murrtal gibt es ja sowieso eine eigene Wasserrahmenrichtlinie, diese Murrtaler Richtlinie verlangt ja auch den Abriss von Stauhaltungen für die Durchgängigkeit. Diese erlaubt dann wohl auch große Flussbausteine für eine naturnahe Böschung an der Murr bzw. verlangt den naturnahen Zustand nur in der neuen Murr im geplanten Rückhaltebecken...

Montag, 14. Mai 2012

Märchenstunde mit Stammtischniveau in der Sitzung des Wasserverbandes am 2. Mai 2012


Die Kreativität und das Engagement, mit dem der Wasserverband immer neue, vollkommen falsche Argumente und "Wahrheiten" gegen die Rüflensmühle sucht, müsste man schon fast bewundernd anerkennen. Wenn der Verband diese Energie in eine ordentliche, konsensorientierte Arbeitsweise stecken würde und nicht ins Erfinden von Märchen, dann hätten wir das Hochwasserproblem längst gemeinsam gelöst. Aber nein, man will ja MACHT demonstrieren gegen diesen einfachen Bürger, der sich einfach nicht unterordnen will gegen die Verwaltungsobrigkeit, die einfach nur machen mag, was sie will, ohne den betroffenen Bürger zu berücksichtigen. Ist ja auch einfach nur lästig, auf Bürger einzugehen, da erfindet man lieber die passenden Argumente.

Wie stand es doch am 3. Mai in der Backnanger Zeitung zum Lieblingsthema "Höherstau" des Verbandsvorsitzenden Herrn Jäger:

Nur ein Aspekt sorgte bei dem einen oder anderen für ein ungutes Gefühl. Nämlich: Der Bau des Beckens ist gleichzeitig das Ende des Wasserkraftwerks von Küenzlen. Jürgen Bartels wählte deutliche Worte, "de facto ist es eine Enteignung". Erwin Klug pflichtete dem bei. Uwe Weber lenkte den Blick auf ein anderen Aspekt: "Ich sehe das nicht als Enteignung an. Denn das Wasserkraftwerk funktioniert nur, weil der Mühlenbetreiber die Murr ungenehmigt hoch aufstaut."

Das ist bisher der größte Blödsinn, der auf einer dieser "Stammtischsitzungen" des Wasserverbandes verzapft wurde. Warum soll eine Wasserkraftanlage mit etwas reduzierter Fallhöhe nicht mehr funktionieren? Da fragt man sich doch, wie man auf sowas überhaupt kommt und dann auch noch den Mut hat, es dann noch öffentlich zum Besten zu geben?


Dazu meine Meinung in einem Leserbrief, abgedruckt am 12.05.2012 in der Backnanger Zeitung

Die erfundenen Argumente werden platzen:

Man kann sich die Welt auch schön und sauber träumen, lieber Herr Uwe Weber. Sie sehen eine reale Enteignung nicht als Enteignung, weil die Wasserkraftanlage ohne die +40 cm zusätzlichen Aufstau laut Ihrer Argumentation sowieso nicht mehr läuft? Wer hat Ihnen denn diesen absoluten Blödsinn erzählt? Die Wasserkraft ist rund 800 Jahre alt, der Höherstau nachweisbar ca. 100 – 200 Jahre. Was meinen Sie, was die Mühle 600 Jahre lang gemacht hat, einfach dumm in der Gegend rum gestanden oder mit der damals vorhandenen Stauhöhe funktioniert? So ein Blödsinn! Ich kann diese vielen wirklich unsinnigen Argumente gegen die Rüflensmühle nicht mehr hören. Wenn man schon keine Ahnung hat, dann sollte man sich bei solchen Themen einfach raushalten und nicht immer weiter und weiter mit völlig falschen Argumenten gegen meine Familie hetzen! Und wenn man schon keine sinnvollen Argumente hat, sondern einfach nur ein bisschen Geld sparen will, sollte man auch dazu stehen. Eine Enteignung auf Grund der Kosten wird eben extrem schwierig, deshalb erfindet man ja immer wieder kreative Argumente – wie solche, dass die Anlage ohne Höherstau nicht mehr läuft. Das Büro Frank hat ja nun schon mehrfach betont und darauf bestanden, dass man alle Hochwasserschutzmaßnahmen als Einheit sehen muss. Das sind dann rund 30 Millionen für Backnang, Oppenweiler und die Becken. Genau, da sind die Kosten für die Variante 3K gerade einmal 5 % mehr. Für eine Variante, die das gesamte Tal aufwertet und den Naherholungswert für alle Einwohner enorm steigert. Um dieses Geld zu sparen, soll meine Lebensqualität am Wasser und der Stammsitz meiner Familie zerstört werden, mit Methoden, die eines demokratischen Systems unwürdig sind? Vergessen Sie es, meine Herren. Um mein Wasserrecht werden Sie viele Jahre lang vor den Gerichten kämpfen! Die vielen frei erfundenen Argumente werden im Gerichtsverfahren platzen wie im Remstal auch. Die Verlierer sind dann alle die, die den Hochwasserschutz brauchen. Die Betroffenen sollten endlich einmal anfangen, den Verband im Murrtal zum Umdenken zu bewegen – zur Diskussionsbereitschaft mit mir. Im Remstal wird nun auch – unter einem neuen Vorsitzenden – versucht, einen neuen Weg im Sinne des Hochwasserschutzes zu gehen.

Samstag, 12. Mai 2012

"Rüflensmühle, ein Demokratietest für die neue Landesregierung?"

Unter diesem Titel haben wir den verlinkten Artikel entdeckt. Inzwischen macht unsere Geschichte auch langsam, aber sicher im Internet die Runde...

Danke, Herr Reinhard Muth. Ihre Worte sprechen mir aus der Seele. Glauben Sie noch an Demokratie? Ich nicht mehr. Mit einem demokratischen System hat das Verhalten der örtlichen Verwaltung hier gar nichts mehr gemeinsam. Eher mit Bürokratie, Arroganz und Machtspielchen gegen einzelne Bürger. Demokratische Rechte haben in Oppenweiler nur noch große Konzerne, die auf Steuerzahlerkosten sogar Bauland eingedeicht bekommen. Einzelne Familie werden mit bürokratischen Floskeln wie "kein qualifizierter Bebauungsplan sondern nur ein Bebauungsplan" abserviert. Für mich haben zumindest die beiden Abgeordneten Thomas Marwein und Willi Halder den Test für die Landesregierung und mehr Bürgernähe bestanden. Wie sich diese beiden MdLs für uns inzwischen eingesetzt haben, ist eine große Anerkennung wert! Wenn ich dagegen an die beiden örtlichen SPD- und CDU-Abgeordneten denke... :-(

Mittwoch, 9. Mai 2012

Pressezitate vom Verbandsvorsitzenden Steffen Jäger

Wie sagte neulich jemand zu mir? "Sie haben halt einen schlechten Ruf". Klar, wenn man nicht zu allem immer ja und amen sagt und vor allem die Bürgermeister von Oppenweiler über Jahrzehnte nicht per se als "unfehlbar" anerkennt, bekommt man wohl einen schlechten Ruf. Interessant daran ist aber, wie vor allem Bürgermeister Jäger mit seinen "Gegnern" öffentlich umgeht. Deshalb nachfolgend einmal die Pressezitate von Herrn Bürgermeister und Verbandsvorsitzendem Steffen Jäger mit einigen Hintergrundinformationen dazu:


Backnanger Zeitung vom 25.11.2011:

Steffen Jäger: „Wir versuchen alles, dass beide Planungen vereinbar miteinander sind“ 

www.duden.de zum Wort "alles": Synonyme zu "alles": alle Dinge, das/dies Ganze, Gesamtheit

 www.duden.de zum Wort "Gesamtheit": Menge aller Personen, Dinge, Vorgänge, Erscheinungen, die aufgrund von bestimmten übereinstimmenden Eigenschaften, Merkmalen, Bedingungen u Ä. zusammengehören; alle… zusammen, z. B. die Gesamtheit der Kenntnisse

Damit tut man wirklich sehr viel, wenn man "alles" tun will. Seltsamerweise gab es rund drei Wochen später beim Erörterungsgespräch im Rathaus von Oppenweiler vom Planungsbüro Frank nur die Varianten 3a und 3b. Die Variante 3a berücksichtigte nur mein vorhandenes Wasserrecht und 3b berücksichtigt mich gar nicht, d. h. mein Wasserrecht wird enteignet. Eine Variante, die beide Planungen beinhaltet, gibt es nur von Herrn Lind und mir: die Variante 3K. Klingt aber doch gut, so eine tolle Aussage wie „alles“ in der Zeitung.

Die Internetseite der BKZ zum 25.11.2011 - mit den Aussagen von Herrn Jäger - ist ebenfalls lesenswert: BKZ 25.11.2011. Schon toll, wie bemüht er um einen Konsens nach seinen eigenenen Aussagen war. Dazu muss man sich ja dann nur Gedanken über die vielen Argumente gegen die Rüflensmühle machen, um die Aussagen einschätzen zu können.

Stuttgarter Zeitung vom 27.12.2011: "Jetzt droht die Enteignung"

Steffen Jäger: "außer der einen (Anmerkung: damit ist unsere gemeint) gibt es keine einzige Einwendung"

Weiter heißt es in diesem ganzen Absatz der Stuttgarter Zeitung: 
"Man habe sich die Sache gewiss nicht einfach gemacht, betont Steffen Jäger, vielmehr Gedanken und Alternativplanungen erörtert. Letztlich aber müsse man abwägen. Rund 100 Haushalte seien von der Maßnahme unmittelbar betroffen."Außer der einen gibt es keine einzige Einwendung" sagt Jäger.

Ja, die Alternativen sieht man: Variante 3a und 3b, obwohl man "alles" versucht hat. Interessant ist auch, dass die Familie Lind sehr lange vor diesem Zeitungsbeitrag bereits bei Herrn Jäger war, um das eigene Hochwasserproblem anzusprechen; bisher komplett erfolglos (Situation Familie Lind). Die Familie Lind wird vom Verband und Herrn Jäger in Sachen vernünftigem Hochwasserschutz für deren Wohnhaus bisher komplett ignoriert. Dazu der nächste Beitrag mit noch einem passenden Zitat:


Stuttgarter Zeitung vom 27.12.2011: "Wasserverband im Kreuzfeuer der Kritik"

 Steffen Jäger: „[…] Linds, die immer gewusst hätten, dass sie sich in hochwassergefährdetem Gelände befänden. Für ihr Haus gebe es keinen qualifizierten Bebauungsplan. Die Familie habe auf eigenes Risiko gebaut“
  
Seltsam, seltsam, mir liegt inzwischen eine Kopie eines Dokumentes vor, auf dem „Bebauungsplan Seelenwinkel“ sowie das Datum von 26.04.1958 steht; sicher keine Fälschung? Auf dem Plan ist doch tatsächlich das Wohngebäude der Linds als Teil vom „Bebauungsplan Seelenwinkel“ eingezeichnet. Es gab dann ja doch einen Bebauungsplan?


Bebauungsplan Seelenwinkel aus dem Jahre 1957/1958 mit dem Wohnhaus der Familie Lind
 
Dies würde ja dann bedeuten, dass alle, die nach den Linds in Oppenweiler in dieses Gebiet gebaut haben, ebenfalls wussten, dass es sich um „hochwassergefährdetes Gebiet“ handelt? Man könnte dann fast vermuten, dass alle in Oppenweiler auf eigenes Risiko dort gebaut haben, wenn man nach Herrn Jägers eigener Aussage in der Zeitung geht? Wie alte Bilder und Postkarten nämlich zeigen, war die Familie Lind die erste Bebauung in diesem ganzen Bereich. Von der Familie Lind bis zur B14 war damals nämlich alles noch komplett unbebaut, MBO wurde z. B. erst 1965 gegründet. Ins Murrtal könnte deshalb auch die bisherige Haltung des Remstaler Wasserverbandes passen: „Wir sind die Guten und Plüderhausen die Bösen, die uns nur behindern“....

Herrn Jägers Meinung zum Thema "Bebauungsplan" können Sie
hier nachlesen.  

Die Familie Lind in Oppenweiler - rücksichtsloser kann Hochwasserschutz nicht sein


Frensehbeitrag über Familie Lind im SWR, bitte hier klicken!



 ACHTUNG: hier jetzt die ganz aktuelle Situation der Familie Lind



Ich könnte ja nun in Selbstmitleid über meine Situation zerfließen, aber die Situation der Familie Lind kann man wirklich als noch deutlich schlimmer bezeichnen. Für diese wirklich unglaublich nette und hilfsbereite Familie geht es beim Hochwasserschutz um alles. Dass die Gemeinde Oppenweiler etwas geldgierig ist, hat ja unser Post zu diesem Thema schon gezeigt. Wie weit diese "Sparsamkeit" und das Verantwortungsbewusstsein vor allem des neuen Bürgermeisters und der Gemeinderäte geht, wollen wir nachfolgend einmal deutlich aufzeigen.

Wohnen im See für die Familie Lind, so soll es werden mit den ganzen Mauern und Dämmen für diese Familie
Familie Lind ist Mitte der 50er Jahre aus dem europäischen Ausland nach Oppenweiler gekommen und hat in Oppenweiler die Firma Duralit gegründet. Duralit war über viele Jahrzehnte hinweg ein wichtiger Arbeitgeber und Steuerzahler für Oppenweiler. Die Firma war damals wichtig für unser Dorf, man war froh, dass sich diese Familie mit ihrer Firma hier niedergelassen hatte. Auf Grund des notwendigen Bahnanschlussgleises musste die Familie direkt an die Bahngleise bauen, dort steht auch noch heute ihr Wohnhaus. Die Linds konnten damals gar nicht woanders bauen. Hier können Sie den Bebauungsplan von damals sehen.

Gemäß schriftlicher Aussage von Herrn Jäger handelt es sich dabei aber leider, leider um keinen qualifizierten Bebauungsplan. Denn ein qualifizierter Bebauungsplan, und sei er auch nachträglich aufgestellt worden, würde die Häuser heute vor Hochwasser schützen. Toll, was so ein Plan alles kann, oder? Wenn man leider keinen "qualifizierten" hat, dann ist das Pech, man bekommt dann keinen Hochwasserschutz.

Ein eigenes Verantwortungsbewusstsein haben in Oppenweiler weder der Herr Bürgermeister noch sein Gemeinderat für solch eine Familie und ihr Schicksal. Nein, man muss ja sparen, man muss ja schließlich im Seelenwinkel III einen Acker (!) für die Firmen eindeichen. Ja, Sie lesen richtig: man muss einen ACKER schützen. Für diesen Acker gibt es einen qualifizierten Bebauungsplan. Da hat man kein Geld mehr für Familien und ihre Wohnhäuser. Tut mir leid, für so ein Verhalten eines Gemeinderates und eines Bürgermeisters habe ich Null Verständnis, sowas geht gar nicht! Deshalb bin ich der Meinung: rücksichtloser als in Oppenweiler kann man Hochwasserschutz nicht planen.

Dieser ACKER soll auf Gemeindekosten eingedeicht werden, damit die Firmen ihn endlich bebauen können

Und falls sich jemand fragt, warum ich mich so für diese Familie einsetze: ganz einfach – Dieter Lind war und ist der einzige (!) Mensch im Dorf überhaupt, der mich von Anfang an erheblich unterstützt hat, weil er nicht will, dass der Wasserverband das ganze Tal für billigen Hochwasserschutz einfach zerstört. Er vertrat von Anfang an die Meinung, dass man mit dem Hochwasserschutz auch etwas Tolles für das ganze Tal machen könnte und das Wasserkraftanlagen in der Zeit der Energiewende unbedingt erhalten werden müssen.

Er wollte nur nicht, dass es jemand erfährt, da er damals der Meinung war, dass man sich mit Bürgermeister Steffen Jäger konstruktiv auseinandersetzen und das Hochwasserproblem seiner Familie gemeinsam mit dem Bürgermeister lösen kann. Naja, diese Meinung habe ich schon mit der Baumaßnahme an der Brücke bei unserem Wehr begraben (mein erstes Projekt mit Herrn Jäger, aber dazu später mal mehr; ich bin gerade dabei, eine umfangreiche Veröffentlichung für ein Fachbuch dazu zu schreiben :-) ). Dieter Lind wollte also nicht genant werden, hat sich aber trotzdem toll für mich engagiert im Hintergrund. Dafür möchte ich an dieser Stelle einmal ganz herzlich Danke sagen. Es gibt leider viel zu wenig Menschen, die sich noch für andere einsetzen. Dieter Lind hat es gemacht, weshalb ich jetzt versuchen werde, soviel Aufmerksamkeit wie möglich auf ihn und seine Familie zu lenken. Vielleicht möchten auch Sie sich einmal für andere einsetzen? Dann unterstützen Sie Familie Lind; das, was mit dieser Familie abgezogen wird, ist wirklich unglaublich!


Nachfolgend einmal einige Bilder zur Situation der Familie Lind:

Die Familie Lind baute Ende der fünfziger Jahre. Man beachte: zwischen dem Tennisplatz und der Straße B14 befindet sich keine Bebauung, d. h. Linds waren die ersten in diesem Bereich des Tales.

Die Familie Lind baut in ein unbebautes Tal, bis zur B14 ist noch alles frei
Alles bis zur B14 ist frei; Hochwasser stellt daher kein großes Problem dar

Laut Herrn Jäger in der Stuttgarter Zeitung war bereits zur Bauzeit der Familie Lind die Hochwassergefahr im Baugebiet Seelenwinkel bekannt. Die Firma MBO hat vermutlich um das Jahr 1965 erstmalig in diesen Bereich gebaut, siehe Bilder Hochwasser 1970.


Hochwasser 1970

In der Backnanger Zeitung stand dazu:
 
"Katastrophal sah es im Industriegebiet am Ortsrand von Oppenweiler aus. Die dortigen Betriebe, darunter auch die Firma Kniffka und das SB-Lager, standen mit ihren Grundmauern im Wasser, das ins Innere der Gebäude eindrang und dort wie andernorts riesige, in die Hundertausende gehende Schäden anrichtete. Die Gewächshäuser der Gärtnerei Häußermann in Oppenweiler standen mehr als einen Meter hoch unter Wasser. Schloßteich und Murr bildeten einen Wasserspiegel. Das Wasser floss gerade noch unter Murrbrücke durch, setzte aber im Anschluss daran das ganze Tal unter Wasser. In den Kellern der Häuser an der Burggartenstraße stand ebenso wie in der Straße selbst das Wasser."

Hochwasser 1970 mit Duralit, Familie Lind und rechts am Rand der erste Bau von MBO
Die Firma MBO und der Tennisplatz der Familie Lind (Hochwasseer 1970, ruhiges Wasser)
Blick 1970 von Familie Lind aus nach Oppenweiler, keine Bebauung
1970 floß das Wasser noch langsam und gemächlich durchs Tal und den Garten der Linds, das Tal war breit genug für ein Hochwasser
1970 konnte man bei den geringen Fließgeschwindikeiten noch Boot fahren - wie hier 1990

Und im Jahre 2011 waren es bereits 20 Millionen Schäden. Kein Wunder bei der Bauwut in Oppenweiler.

Bauwut im Murrtal 2012, deshalb auch die enormen Schäden 2011. Bitte einmal mit Hochwasser 1970 vergleichen

Blick von Familie Lind nach Oppenweiler beim Hochwasser 2011: eine Betonmauer im Tal, 1970 war hier noch alles frei

Interessant ist auch die Entwicklung der Firma MBO und die dadurch entstandenen enormen Schäden im Jahr 2011:

 


Blick Familie Lind auf die Firma MBO beim Hochwasser 2011, die Halle von MBO geht inzwischen bis fast an die Murr (Vergleiche Hochwasser 1970)
MBO 2012, Blick von der Rüflensmühle aus. MBO hat in den letzten Jahrzehnten SELBST den ganzen Abflussquerschnitt im Bereich der Murr (siehe Hochwasser 1970) verschlossen
Neubau MBO aus dem Jahr 2008/2009 beim Hochwasser 2011

Nun soll, wie bereits angemerkt, ein Damm durch das Dorf gebaut werden. Mit diesem Damm wird der zusätzliche Abfluss durch das Gewerbegebiet, der eine gewisse Entlastung für die Linds bedeutet, geschlossen werden. Dass es diesen zweiten Durchfluss durchs Gewerbegebiet wirklich gibt, zeigt dieses Video:



Dadurch wird der ganze Murrabfluss nur noch durch die Brücke geleitet. Die Fließgeschwindigkeiten waren 2011 schon so hoch, dass die Familie Lind das Haus nicht mehr verlassen und von der Feuerwehr auch nicht mehr aus dem Haus geholt werden konnte. In das Nachbarhaus hat das schnell fließende Wasser sogar einen Container gerammt.

Container, der in die Fassade des Nachbarhauses der Linds gerammt wurde beim Hochwasser 2011; vergleiche ruhige Fließgeschwindigkeiten beim Hochwasser 1970

Durch die Bauwut der Gemeinde Oppenweiler wurde die Situation der Familie Lind wirklich lebensgefährlich. Weder der Herr Bürgermeister – der sich hinter bürokratischen Vorschriften verschanzt – noch die Gemeinderäte fühlen sich aber zuständig.

Nun sollte wirklich jeder verstehen, dass der geplante Hochwasserschutz in Oppenweiler auch ganz extrem negative Seiten hat!


Die Rechte der Bilder liegen alle bei Familie Lind, die diese für den Blog zur Verfügung gestellt hat.

Sonntag, 6. Mai 2012

Leserbrief in der BKZ vom 05.05.2012: Statement Herr Jäger zum Bebauungsplan Seelenwinkel

Dieser Leserbrief (siehe unten) wurde heute in der Backnanger Kreiszeitung abgedruckt. Inzwischen hat sich Herr Bürgermeister Jäger zum Bebauungsplan geäußert, der Leserbrief war davor aber schon bei der Zeitung. Naja, geändert hätte es an meiner Meinung nichts.

Fairerweise aber Herrn Jägers Meinung dazu; in seinem Brief vom 30.04.2012 schreibt er:

"bei dem Bebauungsplan Seelenwinkel I, der aus dem Jahr 1958 stammt, handelt es sich im baurechtlichen Sinne um einen nicht qualifizierten Bebauungsplan. Große Teile des heute bestehenden Gewerbegebietes Seelenwinkel liegen jedoch im später erlassenen Geltungsbereich qualifizierter Bebauungspläne Seelenwinkel II und Seelenwinkel III."

Dies bedeutet also ganz einfach folgendes: laut Herrn Jäger in der Stuttgarter Zeitung wusste die Familie Lind 1957, dass es ein hochwassergefährdetes Gebiet ist (ich wäre mir da nicht einmal so sicher, da die Familie erst kurz vorher aus dem europäischen Ausland nach Deutschland gekommen ist); demnach mussten aber ganz sicher ALLE, die nach den Linds gebaut haben, dies ebenfalls gewusst haben, also auch die Gemeindeverwaltung selbst!

Wie kann dann die Gemeinde Oppenweiler einen "qualifizierten Bebauungsplan" für ein davor bereits bekanntes, hochwassergefährdetes Gebiete erlassen und dann einfach Familie Lind aussparen? Diese Frage werde ich Herrn Jäger jetzt einmal stellen, sind wir auf seine Antwort gespannt. Ich halte es noch immer für absolut rücksichtslos, was die Gemeinde mit der Familie Lind hier treibt, wenn man Teile von Seelenwinkel mit Dämmen auf Kosten des Steuerzahlers schützt und die Familie Lind keinerlei Schutz bekommt.


Leserbrief: Eiszeit an der Murr

An der Rems gibt es Tauwetter in Sachen Hochwasserschutz. Das ist doch für alle Betroffenen an der Rems eine sehr gute Nachricht. Leider ist die Rems wohl in einer ganz anderen Klimazone als die Murr. An der Murr gibt es kein Tauwetter in Sachen Hochwasserschutz in Oppenweiler. An der Murr ist tiefste Eiszeit. Es gibt hier auch keinen Verbandsvorsitzenden, der – wie der Schorndorfer Oberbürgermeister – „um Kompromisse und einen Neuanfang“ bemüht ist. Obwohl: Hat Herr Bürgermeister und Verbandsvorsitzender Steffen  Jäger nicht in der BKZ vom November einmal gesagt: „Wir versuchen alles, dass beide Planungen vereinbar miteinander sind“? Alles ist aus meiner Sicht sehr viel, oder meinen Sie nicht? Seltsamerweise gab es rund drei Wochen später die Varianten 3a und 3b. 3a berücksichtigte nur mein vorhandenes Wasserrecht und 3b berücksichtigt mich gar nicht. Eine Variante, die beide Planungen beinhaltet, gibt es nur von Herrn Lind und mir. Klingt aber doch gut, so eine tolle Aussage wie „alles“ in der Zeitung. Ja, mit Aussagen in der Zeitung hat es  Herr Jäger. Wie sagte er doch in der Stuttgarter Zeitung im März über die Situation der Familie Lind? „[…] Linds, die immer gewusst hätten, dass sie sich in hochwassergefährdetem Gelände befänden. Für ihr Haus gebe es keinen qualifizierten Bebauungsplan. Die Familie habe auf eigenes Risiko gebaut“. Seltsam, seltsam, mir liegt inzwischen eine Kopie eines Dokumentes vor, auf dem „Bebauungsplan Seelenwinkel“ sowie das Datum von 26.04.1958 steht; sicher keine Fälschung? Auf dem Plan sind doch tatsächlich die Gebäude der Linds als Teil vom „Bebauungsplan Seelenwinkel“ eingezeichnet. Dies würde ja dann bedeuten, dass alle, die nach den Linds gebaut haben, ebenfalls wussten, dass es sich um „hochwassergefährdetes Gebiet“ handelt? Man könnte dann fast vermuten, dass alle in Oppenweiler auf eigenes Risiko dort gebaut hätten, wenn man nach Herrn Jägers Aussage in der Zeitung geht. Wie alte Bilder nämlich zeigen, war die Familie Lind die erste Bebauung in diesem ganzen Bereich. Von der Familie Lind bis zur B14 war damals nämlich noch komplett unbebaut, MBO wurde z. B. erst 1965 gegründet. Ins Murrtal könnte deshalb auch die bisherige Haltung des Remstaler Wasserverbandes passen: „ Wir sind die Guten und Plüderhausen die Bösen, die uns nur behindern“. Die Lösung für Tauwetter im Remstal war einfach; wie man es gemacht hat, stand im genannten Beitrag…

Samstag, 5. Mai 2012

Planfeststellung innerörtlicher Hochwasserschutz in Oppenweiler: vorgezogene Baumfällarbeiten

Auch dazu gibt es eine nette Geschichte. Die braven Bürger - also Leute wie Herr Lind aus Oppenweiler - durften ihre Einwendungen gegen die aktuelle Planung der innerörtlichen Hochwasserschutzmaßnahmen in Oppenweiler bis zum 19.01.2012 beim Landratsamt Rems-Murr-Kreis vorbringen. Man nennt dies "Bürgerbeteiligung". Herr Lind ist auch ganz brav seiner "Bürgerbeteiligung" nachgekommen und hat eine Einwendung abgegeben, um für seine Interesse einzustehen.

Im Februar haben wir uns dann alle gefragt, wie es sein kann, dass die Bäume entlang der Murr (Biotope) bereits umgesägt wurden - ohne, dass wir eine Rückmeldung zu unseren Einwendungen bekommen hatten?




Ganz einfach: das Landratsamt hat doch tatsächlich am 10. und 11. Januar eine Ausnahmegenehmigung zum Umsägen der Bäume erteilt. Genau rund 1 Woche VOR Ende der Einspruchsfrist. Herr Jäger hat die Zeit genutzt und Mitte Februar die Bäume bereits umsägen lassen.

Am besten ist aber die Begründung dazu aus dem Schreiben des LRA vom 08.03.2012:

"Durch die Umsetzung von Wiederherstellungsmaßnahmen im Baufeld und Ausgleichsmaßnahmen werden gleichartige Biotopstrukturen geschaffen, sodass der Eingriff jeweils vollständig ausgeglichen werden kann"

Interessanterweise wusste das LRA also bereits, bevor Herr Lind, Herr Prof. Brunold oder auch ich selbst die Einwendungen abgegeben hatten, dass "der Eingriff jeweils vollständig ausgeglichen werden kann". Da muss man sich doch als betroffener Bürger die Frage stellen, was dann solche Einwendungen überhaupt bringen sollen, wenn man das Endergebnis bereits vor Ende der Einwendungsfrist für solche Planungen und Details im LRA kennt? Man hätte auch noch den Schein wahren und die ein oder andere Woche warten können, wenn man schon die angebliche "Bürgerbeteiligung" immer öffentlich darstellt.


Ja, da habe ich jetzt richtig großes Vertrauen in das Planfeststellungsverfahren zum Rückhaltebecken. Anderen scheint es bei diesem Thema ähnlich zu gehen: der Gemeinde Plüderhausen im Remstal. Dazu in Kürze mehr.

Donnerstag, 3. Mai 2012

Drei feste Wehranlagen in Backnang: Abreißen!?


Innerhalb der Stadt Backnang hat man ganze drei feste Wehranlagen, wovon nur eine für eine Wasserkraft genutzt wird, nämlich die der Layer'schen Mühle. Zwei der Wehranlagen stehen "unnütz" im Fluss. An der Bleichwiese wurde aktuell im Zuge der Bleichwiesenneugestaltung sogar mit finanziellem Aufwand das alte - extrem betriebsunsichere - Stahlwehr saniert und neu gestrichen. In meiner Planung für das Rückhaltebecken (Variante 3K) wird ein absolut betriebssicheres Schlauch- oder Stahlklappenwehr als unsicher vom Planungsbüro abgelehnt? Naja, in Backnang wird die Betriebssicherheit wohl anders definiert. Mit einem modernen Wehr wäre sowas wie beim Hochwasser 2011 in Backnang nicht passiert, so ein modernes Wehr wird bei Hochwasser vom Wasserdruck in den Fluss gedrückt und gibt dann den ganzen Querschnitt frei, aber das alte Wehr sieht in Backnang halt besser aus und ein neues wäre auch deutlich teurer gewesen als das bisschen Farbe...


"Betriebssicherheit" beim Wehr an der Bleichwiese beim Hochwasser 2011
"Betriebssicherheit" beim Wehr an der Bleichwiese beim Hochwasser 2011



In Backnang gehören diese Bauwerke einfach zum Stadtbild. In Oppenweiler können die Backnanger munter für den Abriss der Wehranlage und damit die Enteignung meines Wasserrechtes stimmen, ja, in Oppenweiler sind die Backnanger groß, dort ist sowas kein Problem.

Da stelle ich doch die einfache Frage an die Backnanger: warum reißt ihr nicht im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie einfach auch alle drei Querbauwerke in Backnang ab? Ein Teil davon gehört sogar der Stadt selbst, d. h. man müsste gar niemanden um Erlaubnis bitten und könnte sofort europäisch handeln und die Bagger anrücken lassen. Man wird doch die innerstädtischen Wehranlagen nicht für Stadtbild, das Grundwasser oder die anderen Gründe behalten wollen?

Komischerweise ist es aber wohl eine andere europäische Wasserrahmenrichtlinie, die in Backnang gilt. In Oppenweiler MUSS diese europäische Richtlinie durch Abreißen und Enteignung meines Wasserrechtes erfüllt werden. In Backnang kann man darüber nachdenken, eine Wasserkraftanlage oder eine Fischtreppe einzubauen, um die Richtlinie, d. h. die Durchgängigkeit, zu erfüllen....

Wehr an der Bleichwiese in Backnang mit technisch veraltetem Fischaufstieg
Jung- und Altfische ZWISCHEN Wehr Bleichwiese und Wehr Layer'sche Mühle
Wehr Layer'sche Mühle am Biegel in Backnang ohne Fischaufstieg
Wehr an der ehemaligen Wasserkraftanlage Kaess in Backnang ohne Fischaufstieg

Dienstag, 1. Mai 2012

Wenn Wertheim am Main die Stadt Backnang wäre...

... dann wären diese Parkplätze längst um einige Meter aufgefüllt und bebaut und die Tiefgarage abgedichtet worden. Die Stadtverwaltung von Backnang mag ja - im Gegensatz zu der von der Stadt Wertheim - keine überfluteten Parkplätze. Die Firmen von Oppenweiler und Sulzbach Murr mögen das ja genauso wenig. Deshalb sind die Firmenparkplätze ja nicht direkt an der Murr, sondern weiter im Gewerbegebiet, und werden jetzt alle schön eingedeicht.

Bei der Bauwut von Backnang, Oppenweiler und Sulzbach Murr bleibt nur zu hoffen, dass das Hochwasser auch schön brav weiß, dass es niemals ein HQ 200 oder höher werden darf, sondern immer brav ein HQ 100 bleiben muss. Ja, liebe Leser, es kann auch größere Hochwasser geben als ein statistisches HQ 100, man soll es nicht glauben.

Denn wenn es doch einmal ein größeres Hochwasser in Oppenweiler, Sulzbach Murr und Backnang gibt - was nur eine Frage der Zeit ist - stehen auch die ganzen schönen Neubauten hinter den Dämmen unter Wasser. Aber das hat ja auch einen Vorteil: man hat wieder was zu jammern, da das böse Hochwasser dann wieder alleine schuld ist (wie 2011 in Oppenweiler) und nicht die rücksichtslose Bauwut in Flußnähe.

Stadtplan der Stadt Wertheim mit überflutbaren Parkplätzen und Tiefgarage als Retentionsraum in der Innenstadt



 Satzung: "der gesamte Parkplatz liegt im Hochwasserbereich des Main"





























Satzung: "die gesamte Tiefgarage liegt im Hochwasserbereich des Main"
































In Wertheim fährt man dann zur Not eben alle paar Jahre sein Auto vom Parkplatz oder aus der Tiefgarage, wenn ein Hochwasser kommt...